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Der elektrische Stuhl von übermorgen

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Wenn der PC krank macht, hilft nur der elektrische Stuhl
Auch im Zeichen der Gesundheit steht die ORGATEC 2010. Mit ihr öffnete auch das Büro von morgen seine Pforten.
“Arbeitszeit ist Lebenszeit. Alles über das moderne Leben in Büro und Objekt.” war das Schwerpunktthema der ORGATEC und die Topdeq Büromöbel.

Dort wurde auch u.a in Vorträgen die Volkskrankheit Nr. 1, das Rückenleiden, ins Visier genommen, denn Rückenerkrankungen stellen mit einem jährlichen Aufwand von rund 40 Milliarden Euro das teuerste Gesundheitsproblem in Deutschland dar. Hohe Fehlzeiten mit etwa 22 Arbeitsausfalltagen pro Arbeitnehmer, Produktivitätseinbußen durch Leistungsminderung und Imageschäden des Unternehmens sind einige der gravierendsten Folgen.

Wir arbeiten uns krank arbeiten am PC: Durch Bewegungsmangel und dadurch bedingte Fehlhaltungen beim Sitzen haben wir uns als ein Volk von Sitzenbleibern eine hohe “Last mit dem Kreuz” eingehandelt.

Bewegende Sitzgelegenheiten
Nur Bewegung schafft Abhilfe! Und sich selbst auch im Büro auf Trab zu halten – dabei helfen völlig neuartige Bürostühle. Sie sind durch bewegende bzw. rotierende Elemente derart konstruiert, dass sie Rückentraining ganz nebenbei möglich machen. Wer auf ihnen sitzt, hält seine Wirbelsäule ständig in Bewegung, vermeidet einseitige Belastungen und regt den Blutkreislauf an.

Der elektrische Stuhl
Dass ein elektrischer Stuhl nicht immer das Ende bedeuten muss, sondern den
Anfang eines gesünderen Arbeitens im Büro, beweisen die erstmals auf der ORGATEC 2000 vorgestellten elektrischen Stühle, wie der “Shape” von Dauphin (mit vibrierender Rückenlehne) und der Drabert-Stuhl “Mikromotiv” (leicht rotierende Sitzfläche), dessen Erfinder Leonardus van Deursen die Funktionsweise “Rotary Continuous Passive Motion” nennt, denn auf diesem Stuhl sitzt man passiv. Diese Stühle halten den Oberkörper ständig leicht in Bewegung und trainieren damit den Rücken.

Lassen Sie sich bewegen:

Drabert

Das “Mikromotiv-Prinzip” wird seit über zwei Jahren in dem Bürostuhl von Drabert realisiert. Hier verdreht ein Motor die Sitzfläche 5 Mal pro Minute jeweils um 0,8 Grad nach rechts und nach links. Wer sich an die nicht mitdrehende Rückenlehne lehnt, spürt die ständig wiederkehrende leichte Rotation in der Lendenwirbelsäule. In Studien der Universitäten Rotterdam und Delft wurde der gesundheitsfördernde Effekt bestätigt: die Wirbelsäulen- und damit Köperlänge der Testpersonen verlängert sich als Folge der dynamischen Rotationsstimulation. So entlastet der Drabert-Stuhl die Wirbelsäule und verhindert präventiv Flüssigkeitsverluste und eine Höhenabnahme der Bandscheibe – gefürchteten Rückenschäden wird so vorgebeugt!
Weitere Effekte sollen die bessere Durchblutung der Beinen und dadurch die Verhinderung von Thrombosen sein.

Shape
Beim “Shape” von Dauphin vibriert die Rückenlehne. Durch die mit einem Drehknopf regelbaren Vibrationen soll vor allem die Rückenmuskulatur entspannt werden. Dieses Prinzip ist aus Massageliegen bekannt und die wohltuende Wirkung auf den Körper ist nachgewiesen.

Heute für das Büro von morgen – mit noch mehr Bewegung

Es kommt zwar langsam Bewegung ins Sitzen, aber diese “langsamen” Bewegungen genügen nicht, um die Muskeln des Oberkörpers derart zu trainieren, dass sie ihn beim Sitzen aufrecht halten können. Und nur mit einer trainierten Rumpfmuskulatur kann man auf jeder Sitzgelegenheit, sei es ein Stein, gut und aufrecht sitzen.
Fazit: Rückenprobleme werden nur durch regelmäßige Bewegung, wie ausdauerndes Gehen, verhindert. So empfehlen Orthopäden selbst bei akuten Rückenschmerzen: wandern, wandern, wandern!

Wie kann man sich diese Bewegung am Arbeitsplatz verschaffen?
Nur durch Integration der “verordneten Bewegung” während in die Arbeitszeit ­- durch “Wandern im Sitzen”:

Auf Trab halten – im Schritt-Tempo
Beim Wandern gleicht der Mensch seine Beckenbewegung unbewusst aus. Das Reiten stellt die älteste Form des passiven Sitzens dar.

So hatte Gisela Schon die Idee, das Wandern und Reiten in die Sitzfläche eines Bürostuhles an den Arbeitsplatz zu verlegen. Dabei kann man sich trotzdem ganz und gar seiner eigentlichen Tätigkeit widmen, denn der Ausgleich der Bewegung findet unbewusst statt.

Diese Erfindung geht einen Schritt weiter in Richtung “bewegender Sitz” – mit wesentlich intensiveren – dreidimensionalen – Bewegungen: nämlich denen des menschlichen Gangbildes, während Dauphin und Drabert lediglich zweidimensional bewegen (Rotieren und Vibrieren).

Die Umsetzung der Vorteile von Wandern und Reiten in eine Sitzgelegenheit erfüllte die Voraussetzungen für ein Patent, das unter der Nummer WO 00 22 964 im Rahmen des PCT-Verfahrens international angemeldet wurde. Der internationale Prüfungsbericht des Patentamtes aus dem Jahr 2001 bestätigt die Patentierbarkeit in allen dem PCT-Verfahren angeschlossenen 100 Ländern.

Die praktische Umsetzung in eine marktfähiges, kostengünstiges Antriebsmodul wird derzeit in Kooperation mit dem Institut Bionik der Universität des Saarlandes und Deutschlands erstem Institut Bio-Mechatronik der Technischen Universität Ilmenau untersucht.

Das Modell
Der innovative Stuhl verfügt über eine Sitzfläche, die durch ein Antriebsmodul das individuelle Gangbild des Nutzers simuliert.
Technisch ermöglicht werden soll dies durch Erfassen spezifischer Körpermaße wie Beinlänge, Beckenbreite und Körperumfang und deren variables Einstellen am Antriebsmodul, das auch einen (Be)Sitzer-Wechsel problemlos möglich macht.

Die Sitzflächenbewegung soll nicht – wie bei Drabert – ununterbrochen erfolgen, sondern nur für die medizinisch empfohlene Dauer, die auch für den täglichen Ausgleichssport (z.B. Wandern) gilt, z.B. eine halbe Stunde.
Sensoren sollen kontinuierlich die Körperhaltung des Sitzenden überwachen und – sobald sich Haltungsfehler einschleichen – die Bewegung wieder einschalten. Das veranlasst den Sitzenden, wieder eine aufrechte Haltung einzunehmen, zu der er auch während seiner Gehbewegung gezwungen ist.

Die erforderliche Stromversorgung kann mittels Kabel erfolgen oder – ohne auf die liebgewordenen Rollen zu verzichten – durch einen aufladbaren Akku.
Mit einem Antriebsmodul in flacher Konstruktionsweise (60 mm) wäre der Stuhl in seinem Aussehen kaum von herkömmlichen Bürostühlen zu unterscheiden, das Design ist also freigestellt.

Zu dieser bewegten Sitzfläche gehört eine hoch angebrachte Rücken- bzw. Schulterstütze, die sich neigen und bewegen lässt. In senkrechter Position arretiert, unterstützt sie die aufrechte und ruhige Haltung des Oberkörpers.

Flexibel angebrachte Armstützen erleichtern das Bedienen eine Tastatur oder eines Telefons und vermieden Schulter- und Nackenverspannungen wirkungsvoll.
Zusätzlich verhindern sie eine Überbelastung von Arm und Hand, die das Carpaltunnel-Syndrom (CTS) hervorrufen, denn die Handballen müssen nicht mehr an der Tastatur abgestützt werden.

Eine Beinstütze mit Fußhalterungen ermöglicht verschiedene Sitzpositionen, wie einen Damenreitsitz oder eine dem Schneidersitz ähnliche Haltung.
Als Stehsitz bietet der Stuhl eine Gasdruckfeder, die das Aufstehen unverkrampft und rückenschonend ermöglicht. Auch in Stehsitz-Position kann die Sitzfläche bewegt bleiben, was die Beine abwechselnd belasten und somit besser durchbluten würde.

Dass das Konzept des innovativen Sitzmöbels “funktioniert”, konnte durch Testsitzen auf dem Bewegungsmodell feststellt werden. Einwendungen, die einschränken, man könne doch bei einer derart heftigen Bewegung nicht die Hände stillhalten und arbeiten, sind damit ausgeräumt.

Der Stuhl von übermorgen?
Diese Innovation stellt schon einen sehr gewagten und “bewegenden” Griff in Richtung “Büro der Zukunft” dar, bietet jedoch auf jeden Fall einen Ausblick in das – futuristische – Büro mit Perspektive auf ein gesünderes Arbeiten am PC!

Ob sich derartig weitgreifende Veränderungen in Sitzmöbeln durchsetzen, hängt auch oft von der Akzeptanz der Nutzer ab. Diese Akzeptanz braucht oft Zeit, so dass es sich bei allen “bewegenden” Entwicklungen um Projekte von übermorgen handelt.
So erteilt die AGR (Arbeitsgemeinschaft Gesunder Rücken e.V.) die Auskunft, dass Bürotätige oft die Vielfalt innovativer Möbelstücke gar nicht erkenne und nutze. Es muss neben dem medizinischen bzw. präventiven Effekt beispielsweise auch eine simple Handhabung gegeben sein, denn was nutzt der beste High-Tech-Stuhl, wenn ich ihn nicht einstellen kann?
Dennoch begrüßt die AGR selbstverständlich jede Entwicklung, die eine gesunde Schreibtischtätigkeit fördert.

Gastbeitrag von Sabine!

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