Allein in Deutschland hat die neue Schadsoftware mit dem Namen TDL-4 bereits rund 150.000 Rechner befallen, und obwohl der Virus bereits einige Zeit wütet, gibt es immer noch kaum wirksame Programme, die ihn vernichten könnten. Der TDL-4 gilt daher derzeit als beinahe unzerstörbar, und wird bei jedem Systemstart neu aktiviert, ohne dass der Computer-Nutzer etwas vom Befall bemerkt. Ein schädliches Botnetz funktioniert folgendermaßen: Zuerst werden ungeschützte Computer infiziert, diese dann in das Botnetz eingegliedert, dann verkauft der Betreiber des betreffenden Botnetzes seine Dienste, die danach beispielsweise für den Versand von Spam ausgenutzt werden.
Das Botnetz TDL-4 basiert auf einem Trojaner, der den Master Boot Record der Festplatte am Computer infiziert und einen Rootkit installiert. Die Aufgaben, die das Botnetz ausführen soll, werden über ein öffentliches Peer-to-Peer-Netzwerk verteilt, was das Abdrehen erheblich erschwert. Nimmt man es vom Netz liegt die Latte noch höher, so Experten. Zudem ist in diesen Trojaner ein Kryptographie-Verfahren integriert, das eine Übernahme durch andere Kriminelle verhindert. Im Großen und Ganzen wird das Botnetz TDL-4 dafür benutzt, eine Malware auf den bereits infizierten Rechnern zu installieren, damit danach dort beispielsweise Spam oder Phishing platziert werden kann. Weit kritischer ist jedoch die Tatsache, dass mit Hilfe dieses Virus auch unter anderem Bank- und Kreditinformationen ausgespäht werden können. Eine weitere Vorgehensweise ist, gezielt Behörden oder Firmen anzugreifen und ihre Präsenz im Internet lahm zu legen.
Untersuchungen betroffener Computer haben gezeigt, dass auf ihnen fast 30 Schadprogramme zu finden waren. Die Gefahr liegt auch im immer größer werdenden Netzwerk, denn je mehr Computer sich, vom Besitzer unbemerkt, darin befinden, desto größer ist die Schlagkraft. Wenn erst genügend PCs infiziert sind, könnte ein Befehl des Besitzers genügen, um alle Rechner zuschlagen zu lassen.
Bisher ist der Trojaner aufgrund seines speziellen Designs von Sicherheitstools kaum zu entdecken. Um sich noch perfekter tarnen zu können, greift der TDL-4 Trojaner auch andere Malware an, die sich unter Umständen auf dem betreffenden Rechner befinden. Das soll verhindern, dass die Computernutzer auf die anderen Schadprogramme aufmerksam werden und eine bessere Anti Virus Software installieren. Die Verbreitung des TDL-4 erfolgt über diverse Geschäftspartner der Botnetz-Betreiber. Diese betten den Trojaner unter anderem in eine von ihnen betriebene Webseite ein, auf welcher zum Beispiel Pornographie, Cracks oder Streaming-Dienste angeboten werden. Für die vielen Installationen, die diese Geschäftspartner den Botnetz-Betreibern verschaffen, erhalten sie eine finanzielle Entschädigung.
Virenexperte BitDefender ist der Lösung des Problems offensichtlich einen Schritt näher gekommen, da er festgestellt hat, dass wahrscheinlich der Online Banking-Trojaner Zeus für Download und Installation des TDL-4 verantwortlich ist. Nun seien jedoch alle Nutzer, die eine BitDefender-Lösung, in einer 32-Bit-Version oder in einer 64-Bit-Version, auf ihrem PC installiert haben, vor der neuen Gefahr geschützt.